Juckreiz loswerden
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Symbolbild

Juckreiz ist oft schwerer zu ertragen als Schmerz. Was jetzt schnell hilft und was den Juckreiz langfristig lindert.

Bloß nicht kratzen – ein gut gemeinter Ratschlag, wenn der Juckreiz zuschlägt. Doch wer öfter damit zu tun hat, weiß, dass das nur schwer zu schaffen ist. Juckreiz ist kaum auszuhalten, doch Kratzen kann das Problem noch verstärken.

Wird die Haut verletzt, gelangen leicht Bakterien hinein, die Entzündungen auslösen. Ein Teufelskreis aus „Jucken – Kratzen – entzündete Haut und erneutem Juckreiz und Kratzen“ entsteht und der Juckreiz wird immer schlimmer.

Trockene Haut

Wenn die Haut immer wieder juckt, steckt oft eine Hauterkrankung wie Neurodermitis oder Schuppenflechte dahinter. Wird die Haut konsequent behandelt und gepflegt, lässt sich meist das Jucken gut in den Griff bekommen.

Auch wenn die Haut im Alter trockener wird, kommt Juckreiz ins Spiel. Dann kann eine intensivere Hautpflege helfen, die auf die ältere Haut abgestimmt ist.

Parasiten

Auch bestimmte Tiere können Juckreiz auslösen. Flöhe und Läuse saugen Blut, die Krätzmilbe legt ihre Eier in die Haut und verursacht so quälenden Juckreiz.

Im Frühjahr fliegen die abgebrochenen feinen Raupenhaare des Eichenprozessionsspinners weit umher und können durch ihre Widerhaken unangenehme Reaktionen an der Haut auslösen.

Stoffwechselerkrankungen

Erkrankungen des Stoffwechsels wie Diabetes mellitus oder der Hormone, beispielsweise eine Überfunktion der Schilddrüse, können ebenfalls lästigen Juckreiz auslösen. Auch chronische Nieren- und Lebererkrankungen oder auch Tumorerkrankungen gehen mit Juckreiz einher.

Medikamente

Starker Juckreiz kann auch als Nebenwirkungen von Medikamenten wie Antidepressiva, Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide oder Antibiotika auftreten.

Wann zum Arzt?

Es gibt zahlreiche Erkrankungen, die Juckreiz hervorrufen können. Leiden Sie schon längere Zeit unter chronischem Juckreiz, kann der Besuch bei einem Dermatologen helfen. Hier stellt der Arzt oder die Ärztin zunächst genaue Fragen zum Auftreten des Juckreizes und untersucht die Haut gründlich. Ergeben sich dabei Hinweise zu einer bestimmten Grunderkrankung, können weitere Maßnahmen wie z. B. Bluttests, Ultraschall oder MRT eingeleitet werden. Manchmal werden auch Abstriche oder Gewebeproben der veränderten Haut abgenommen. Ein Drittel aller Patienten beim Dermatologen suchen wegen Juckreiz Hilfe.

3 SOS-Tipps

So lange zu kratzen, bis es blutet, ist keine gute Idee. Aber es gibt andere Möglichkeiten, den akuten Juckreiz zu lindern:

Kälte ist eine wirksame Methode, Juckreiz zu unterdrücken, da sie die Nervenenden kurzzeitig betäubt. Geeignet sind in kaltem Wasser getränkte Waschlappen oder Umschläge oder Kühlkompressen. Am besten immer eine Kompresse im Kühlschrank aufbewahren, bei Bedarf in ein Tuch wickeln und die juckende Stelle damit maximal 15 Minuten kühlen. In Ihrer Apotheke erhalten Sie zudem kühlende Cremes und Lotionen zum Beispiel mit Menthol. Auch Gel wirkt kühlend. Für kleinere Stellen und im Akutfall gibt es kühlende Gelcremes, die ein niedrig dosiertes Kortison enthalten, das gleichzeitig Entzündungen hemmt.

Ein altes Hausmittel gegen Juckreiz ist Schwarztee: 2 Teebeutel in 200 Milliliter heißem Wasser ziehen und dann abkühlen lassen. Ein Tuch damit tränken und 10 bis 15 Minuten auflegen. Die enthaltenen Gerbstoffe wirken zudem entzündungshemmend.
Als Alternative zum Kratzen die Haut besser drücken, streicheln, reiben oder leicht kneifen. Bei Kindern haben sich sogenannte Kratzklötzchen bewährt, die vom Juckreiz ablenken und keine Hautverletzungen verursachen. Dafür ein Holzklötzchen mit Fensterleder beziehen und damit über die juckende Hautstelle streichen.
Anti-Juckreiz-Lotionen, die auf die Haut gesprüht werden, lindern durch betäubende Inhaltsstoffe wie Polidocanol und kühlendes Menthol den Juckreiz. Salben, Cremes oder Lotionen mit pflanzlichen Ölen, zum Beispiel Nachtkerzenöl oder Traubenkernöl oder das Licochalcone A aus den Wurzeln der chinesischen Süßholzpflanze, pflegen die gereizte Haut.

Haut sanft reinigen

Bei der Reinigung kommt es darauf an, nur milde Produkte zu nutzen, etwa ein Duschöl mit rückfettenden Substanzen. Stark schäumende Produkte sind zu meiden, sie trocknen die Haut zusätzlich aus. Auch für Vollbäder gibt es rückfettende Zusätze mit Soja-, Mandel- oder Erdnussöl sowie entzündungshemmendes Meersalz. Maximal zehn Minuten bei 35 Grad Celsius Wassertemperatur gelten auch für trockene Haut als verträglich. Nach dem Baden oder Duschen wird die Haut möglichst nicht trocken gerubbelt, sondern nur sanft mit dem Handtuch abgetupft.

Auf ausreichend Feuchtigkeit in der Raumluft und eine kühle Umgebung achten: Dabei spielt sowohl die Lufttemperatur als auch die Kleidung eine Rolle. Raue Fasern wie Schurwolle reizen empfindliche Haut. Besser verträglich sind glatte Stoffe, zum Beispiel aus Baumwolle.

Intensiv pflegen

Trockene, juckende Haut braucht tägliche Pflege – am besten morgens und abends und immer nach dem Baden oder Duschen. Geeignet sind Lotionen und Cremes mit pflegenden Fetten wie Mandel- oder Nachtkerzenöl und hautstärkenden Substanzen wie Ceramiden und Omega-6-Fettsäuren. Wichtig sind auch Feuchtigkeitsbinder wie Harnstoff (Urea). Zu meiden sind alkoholhaltige Pflegeprodukte. Sie trocknen die Haut aus.

Arzneimittel, die den Juckreiz direkt unterdrücken

Dazu zählen kühlende Lotionen mit Harnstoff (Urea), Menthol, Kampfer, Betäubungsmittel, Entzündungshemmer und Capsaicin. Capsaicin ist eine schmerzstillende und durchblutungsfördernde Substanz, die aus Chilischoten gewonnen wird. In schweren Fällen kann der Arzt spezielle Salben oder Cremes mit Kortison oder Wirkstoffen wie Tacrolimus verschreiben, welche Immunreaktionen in der Haut hemmen und so gegen den Juckreiz und die Entzündungen wirken.

Kratzschutz bei Juckreiz

Fingernägel immer kurz schneiden, damit Sie sich beim unbewussten Kratzen nicht verletzen. Auch im Schlaf kann die Hautjucken. Hier können Baumwollhandschuhe sinnvoll sein. Sie sind bei 60 Grad waschbar und in Ihrer Apotheke in vielen verschiedenen Größen für Kinder und Erwachsene erhältlich.

Daniela Diedler,

Ihre Apothekerin

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